Sparen bei der Bildung: Zahlen und Fakten

grulug-logoIn der aktuellen Diskussion über Einsparungsmöglichkeiten im Schulsystem, hört und liest man oft die abenteuerlichsten Zahlen.

Hier nun einige Fakten

1. Das Märchen von den hohen Bildungsausgaben in Österreich.

Tatsache ist, Österreich gibt erschreckend wenig für Bildung aus. Bund, Länder und Gemeinden zusammen zahlen jährlich für Schule, Wissenschaft, Universitäten, Fachhochschulen und Forschung lächerliche 10,8 Prozent der Staatsausgaben. Zum Vergleich: der Schweiz ist die Bildung ihrer Jugend 19,5 Prozent wert; und Deutschland kommt gar auf 21,4 Prozent seiner Staatsausgaben. Das heißt beide Länder zahlen fast doppelt so viel für die Zukunft ihrer Kinder wie wir! Die OECD reiht 2013 Österreich von 32 Staaten an der 24 Stelle. Wohlgemerkt ist Österreich zugleich die zweitreichste Nation eben dieser OECD. Dies sind alles Werte die vor dem sog. Hyposparpaket erhoben wurden.

„Die Ausgaben für Bildungseinrichtungen im Verhältnis zum BIP erlauben Rückschlüsse darüber, in welchem Ausmaß ein Land Bildung Priorität einräumt“, (OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“.)

Besonders bedenklich: Seit 1995 sanken die Bildungsausgaben in Österreich verhältnismäßig stark – von 6,2 Prozent auf zunächst 5,5 Prozent im Jahr 2000 und schließlich auf 5,4 Prozent im Jahr 2008 und weiter auf 5,0 im Jahr 2011. Am höchsten sind laut OECD die Bildungsausgaben (öffentliche und private Aufwendungen zusammen) in Chile, Dänemark, Island, Israel, Südkorea, Norwegen und den USA mit jeweils über sieben Prozent des BIP.

2. Das Märchen von den Einsparungsmöglichkeiten im Schulsystem, ohne LehrerInnen- bzw. Unterrichtstunden zu streichen. Über 60 % der Ausgaben sind Personalausgaben.

Bildungsausgaben im Jahr 2012 nach Ausgabenart: Zahlen sind in Millionen Euro.

10.564,89 – Personalaufwand; 4.044,72 – Sachaufwand; 773,2 – Transfers an priv. Haushalte; 654,11 – Transf. an priv. gemeinn. Einr.; 604,87 – Investitionen; 420,86 – Transf. an Unternehmungen; 118,12 – sonst. Ausgaben (Quelle: Statistik Austria)

3. Das Märchen, dass bei der Verwaltung nicht viel zu sparen wäre:

Wie viel kostet eigentlich die gesamte Schulverwaltung?

Es kursieren die unterschiedlichsten Zahlen. Und das ist schon eines der Grundprobleme. Während das Unterrichtsministerium von 101 Millionen Euro pro Jahr spricht (für Bundes-, Landes- und Bezirksschulräte, Schulinspektoren und -psychologen), ist in einer Studie des Management Club gar von 400 Millionen Euro die Rede, die jährlich in der Verwaltung versickert. Es ist schwierig, die Zahlen zu verifizieren. So ist etwa unklar, wie viele Personen in der Schulverwaltung arbeiten – aber eigentlich als Lehrer angestellt sind.

Wer mischt bei der Verwaltung der Schulen aller mit?

Es gibt vier Verwaltungsebenen: Bund, Länder, Bezirke und Gemeinden mit komplexen, teils einander überschneidenden und unklaren Zuständigkeiten. Die Doppelgleisigkeiten, über die geklagt werden, sind de facto Drei- und Vierfachgleisigkeiten.

4. Das Märchen, dass die Kosten für die Landes Lehrerinnen reine Bundes Sache wäre.

Durch die überplanmäßigen Besetzungen von Landeslehrern entgingen dem Bund im Schuljahr 2010/11 rund 30 Millionen Euro. Grund dafür: Der Rückforderungsbetrag je Planstelle beträgt rund 38.000 Euro, die tatsächlichen Durchschnittskosten liegen aber bei 54.000 Euro, da teilweise ältere – sprich: teurere – Lehrer angestellt werden. Demnach kostet jeder Pädagoge, den die Länder über Plan einsetzen, den Bund 16.000 Euro.

Dieses „Geschäft“ lassen sich die Bundesländer nicht entgehen und stellen viele Landeslehrerinnen zusätzlich zum vom Bund genehmigten Planstellenkontingent an. Ausnahme ist hier Salzburg. Salzburg stellt im Bundesländervergleich die wenigsten LehrerInnen aus Landesmitteln an. Dementsprechend ist in Salzburg die Not am größten.

5. Das Märchen , dass die Lehrerinnen viel verdienen.

Die Gehaltsabschlüsse des öffentlichen Dienstes waren unterdurchschnittlich. Von 2000 bis 2012 um 27,2%, während der VPI(Verbraucherpreisindex) in diesem Zeitraum um 28,2 % gestiegen ist – also ein Reallohnverlust.

6. Das Märchen, dass in den Pflichtschulen nicht schon besonders gespart wird.

Während alle anderen Bereiche, angefangen vom Kindergarten bis zur Verwaltung, (zum Teil) Kostensteigerungen weit über der Inflationsrate verzeichnen, wurde im Pflichtschulbereich ordentlich die Sparschraube angezogen: Steigerung seit 2000 knapp 28%, Inflationsrate in diesem Zeitraum 31%.

Die viel geschmähte NMS hat nur unerheblich das Bildungsbudget Pflichtschulen erhöht; wie denn auch, gilt ja nach wie vor für den Pflichtschulbereich ein quasi Aufnahmestopp, dh. die Mehrarbeit wird einfach auf die Lehrer aufgeteilt.

Mehrwert für unsere Schulen

Diese Aussendung als pdf zum Download >>>

null_bock KopieWieder klafft im Bund ein Budgetloch und es fehlen im kommenden Schuljahr im Land Salzburg 67 LehrerInnendienstposten.

Wieder weigert sich unsere Landesregierung, den Mangel mit ihren Mitteln auszugleichen, stattdessen werden Unterrichtsstunden gestrichen.

Wir fordern:
plus2

Mehr Wertschätzung für unsere Schulen!
Mehr Wertschätzung für unsere Arbeit!

Eine gute Schule muss dem Dienstgeber mehr wert sein, als er derzeit dafür investiert.

Reden Sie darüber, informieren Sie die Schulpartner.
Ändern wir gemeinsam diese Politik!

NMS – selbstbewusst!

grulug-logoIm Folgenden: Unsere Vorschläge zur Stärkung der NMS. Ihre Meinung? Schreiben Sie uns!

Evaluierung:

Evaluierung soll als “fairer Vergleich” stattfinden, der wirklich repräsentativ ist. Nachdem der Zug schon in Richtung NMS abgefahren ist, sind wir für eine umfassende Evaluierung erst nach Umstellung aller Schulen, anstatt schon wieder zwischendrin an irgendwelchen Schaltern zu drehen.

Vorerst sollen die Schulen in Ruhe arbeiten können, um dann – in Ruhe – die richtigen Schlüsse ziehen und eine wirkliche systemische Reform angehen zu können.

Teamteaching

  • Ja zu einer schulautonomen Verteilung der Stunden!
  • Ausbildung + intensive Unterstützung für LehrerInnen zum Unterrichten
    – in heterogenen Gruppen
    – mit Differenzierung (da tun sich fast alle schwer durch den Unterricht bis dato)
    – im Team (z.B.: Wie nutze ich die vielen Möglichkeiten der Lernumgebung zu zweit effizient aus?)
  • Hotline zum Nachfragen (unbürokratisch)
  • Materialbörse zum Ausleihen (wie ein Filmverleih) insbesondere für Hauptfächer/Differenzierung

Der gemeinsame Schultyp:

Wir sind für eine wirkliche gemeinsame Schule. Die Werbung von Gymnasien kann man vorschlagen, aber wir sehen kaum Erfolgsaussichten. Mehr Selbstbewusstsein der NMS und eine Bewerbung der ELTERN mit der Darstellung der Vorzüge der NMS sind zielführender!

Schulautonomer Einsatz der Ressourcen:

Ja zum schulautonomen Einsatz der Ressourcen.

Wir sind der Meinung, dass die Schulen ihren Kontingentbedarf auf Grundlage der Situation an der Schule und auf Grundlage der gesetzlichen Bestimmungen selbst berechnen sollen und mit dieser begründeten Berechnung dann quasi in Verhandlung mit der Abt. 2 gehen. Oder, dass wir für eine durch Indikatoren basierte Finanzierung der Pflichtschulen und AHS-Unterstufen sorgen. So könnte es zum Beispiel für Kinder aus bildungsfernen, schwachen Schichten oder Schulen mit einem höheren Migrantenanteil, oder bei der Integration von SonderschülerInnen eine höheren Basis-oder Pro-Kopf-Finanzierung geben.

Orientierung an den Schwachen?

Mit den bestehenden gesetzlichen Grundlagen können temporär Gruppen gebildet werden, die auch die Förderung der Begabteren zum Ziel haben kann.

Die Orientierung an den Schwachen entsteht unserer Meinung nach auch dadurch, dass man am Ende des Tages ja gezwungen ist, auch die Schwächsten der Schwachen zu beurteilen.

Dringend erforderlich: Zeitnaher Ersatz bei Dauerkrankenständen!

Dringend erforderlich: Ein paar wenige Stunden für jede Schule, die sie verbrauchen kann, oder auch nicht. Ein kleiner Stunden-Pool, auf den jede Schule begründet zugreifen kann, wenn es die Situation an der Schule erfordert. Damit könnte direkt an der Schule auf veränderte Klassensituationen reagiert werden.

Dringend erforderlich: Wertschätzung!

Testeritis und Testverweigerung

Die Kirche im Dorf lassen.

Zur „Testeritis und Testverweigerung“ an unseren Schulen.

Wolfgang HaagDie Grünen haben einen wichtigen und richtigen Antrag im Landtag eingebracht. Sie finden ihn auf unserer Homepage, aber dabei muss die Kirche im Dorf bleiben.

Wenn man sich die Mühe macht und verschiedenste Berichte der unterschiedlichsten BildungsforscherInnen liest, kommt man nämlich zu folgenden Schlüssen.

  • Die Ergebnisse der Bildungsstandards sind zwar ein gutes Feedback für die jeweilige Schule. Sie sagen aber weder etwas über das Können der einzelnen SchülerInnen insgesamt aus, noch über die Qualität verschiedener Schultypen.
  • Die Ergebnisse sind primär deshalb interessant, weil man durch sie jene Schulen identifizieren kann, an denen besonders viele SchülerInnen mit dem Test Probleme hatten und damit die Schulen Orientierung bekommen, wo ihre Stärken und Schwächen liegen.
  • Aber über alles andere, etwa wie groß der Anteil an SchülerInnen ist, die nicht genug Kenntnisse erwerben, sagt der Test nur bedingt etwas aus. Die Ergebnisse beziehen sich eben – wie auch bei internationalen Bildungsvergleichsstudien wie PISA – nur auf genau jenen Bereich, der getestet wurde.
  • Auch darüber, ob SchülerInnen an AHS, Hauptschulen oder der NMS mehr lernen, können die Standardtestungen nichts aussagen. Bei so einem Vergleich wird nämlich unterstellt, dass die Schulart einen signifikanten Einfluss auf die Abweichungen bei den Ergebnissen habe. Aber durch Schule insgesamt kann nur ein Drittel der Leistungsunterschiede erklärt werden, am relevantesten ist der soziale Hintergrund.
  • Auch für die einzelnen SchülerInnen gibt es kaum einen Nutzen durch die Standards, denn diese Art des Tests eignet sich einfach nicht als individuelles Diagnoseinstrument. Dazu kommt, dass die Rückmeldung so kompliziert ist, dass SchülerInnen und Eltern damit ohnehin nichts anfangen können.

Die Bildungsstandards werden die Leistungen schwacher SchülerInnen nicht verbessern.

Wenn man will, dass es weniger Kinder und Jugendliche mit eklatanten Schwächen gibt, muss man sie gezielt fördern.

Antrag der Grünen im Landtag als pdf zum Download >>>