Wie den Lehrberuf bis zur Pension durchhalten?

monikaAm 4. 10. berichtete die SN von der Problematik, dass kaum eine Lehrperson die Unterrichtstätigkeit bis zum regulären Pensionsalter durchhält. „Die Leute wollen von mir oft nur mehr wissen, wie sie irgendwie in die Pension kommen. Irgendwie halten sie einfach das Gewusel, den ununterbrochenen Lärm nicht mehr aus…“ so wird der ZA-Vorsitzende der PflichtschullehrerInnen zitiert. Auf die Antwort, was zu tun wäre, sagte der Personalvertreter laut SN: „Wenn ich das wüsste, wäre ich wahrscheinlich schon Bundespräsident.

Ich möchte zwar nicht Bundespräsidentin werden, aber ich habe ganz konkrete Vorstellungen, was zu tun wäre. Nämlich die Arbeitsbedingungen so zu verändern, dass wir LehrerInnen nicht so weit kommen, dass wir „nur mehr irgendwie in Pension wollen“ oder sagen: „Bitte gebt mir irgendetwas, vielleicht in einer Bibliothek. Ich mache alles.“ Wir wollen nämlich nicht „irgendetwas“ machen, sondern genau das, wozu wir ausgebildet wurden: Kinder und Jugendliche zu unterrichten. Damit wir das tun können, ohne mit 50 oder 60 ausgelaugt und ausgebrannt zu sein, brauchen wir (um nur zwei Punkte zu nennen):

Erstens Arbeitsplätze, an denen wir in Ruhe den Unterricht vor- und nachbereiten können, sowie Räume, wo wir mit KollegInnen kommunizieren können – ohne dass es rundherum „wuselt und ständig einer was will“.

Zweitens brauchen wir viel mehr Unterstützungspersonal wie BeratungslehrerInnen, SozialarbeiterInnen usw. (wie das in anderen EU-Ländern üblich ist), damit wir uns auf unsere Hauptaufgabe, den Unterricht, konzentrieren können.

Beides kostet natürlich Geld. Es braucht den politischen Willen, dieses Geld zu investieren, ansonsten werden die vielen Krankenstände und verfrühten Pensionsantritte mehr statt weniger werden. Wann wird unsere Gewerkschaft die maßgeblichen Parteien endlich davon überzeugen können?

Monika Wölflingseder
NMS-Lehrerin und Personalvertreterin

Sparen bei der Bildung: Zahlen und Fakten

grulug-logoIn der aktuellen Diskussion über Einsparungsmöglichkeiten im Schulsystem, hört und liest man oft die abenteuerlichsten Zahlen.

Hier nun einige Fakten

1. Das Märchen von den hohen Bildungsausgaben in Österreich.

Tatsache ist, Österreich gibt erschreckend wenig für Bildung aus. Bund, Länder und Gemeinden zusammen zahlen jährlich für Schule, Wissenschaft, Universitäten, Fachhochschulen und Forschung lächerliche 10,8 Prozent der Staatsausgaben. Zum Vergleich: der Schweiz ist die Bildung ihrer Jugend 19,5 Prozent wert; und Deutschland kommt gar auf 21,4 Prozent seiner Staatsausgaben. Das heißt beide Länder zahlen fast doppelt so viel für die Zukunft ihrer Kinder wie wir! Die OECD reiht 2013 Österreich von 32 Staaten an der 24 Stelle. Wohlgemerkt ist Österreich zugleich die zweitreichste Nation eben dieser OECD. Dies sind alles Werte die vor dem sog. Hyposparpaket erhoben wurden.

„Die Ausgaben für Bildungseinrichtungen im Verhältnis zum BIP erlauben Rückschlüsse darüber, in welchem Ausmaß ein Land Bildung Priorität einräumt“, (OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“.)

Besonders bedenklich: Seit 1995 sanken die Bildungsausgaben in Österreich verhältnismäßig stark – von 6,2 Prozent auf zunächst 5,5 Prozent im Jahr 2000 und schließlich auf 5,4 Prozent im Jahr 2008 und weiter auf 5,0 im Jahr 2011. Am höchsten sind laut OECD die Bildungsausgaben (öffentliche und private Aufwendungen zusammen) in Chile, Dänemark, Island, Israel, Südkorea, Norwegen und den USA mit jeweils über sieben Prozent des BIP.

2. Das Märchen von den Einsparungsmöglichkeiten im Schulsystem, ohne LehrerInnen- bzw. Unterrichtstunden zu streichen. Über 60 % der Ausgaben sind Personalausgaben.

Bildungsausgaben im Jahr 2012 nach Ausgabenart: Zahlen sind in Millionen Euro.

10.564,89 – Personalaufwand; 4.044,72 – Sachaufwand; 773,2 – Transfers an priv. Haushalte; 654,11 – Transf. an priv. gemeinn. Einr.; 604,87 – Investitionen; 420,86 – Transf. an Unternehmungen; 118,12 – sonst. Ausgaben (Quelle: Statistik Austria)

3. Das Märchen, dass bei der Verwaltung nicht viel zu sparen wäre:

Wie viel kostet eigentlich die gesamte Schulverwaltung?

Es kursieren die unterschiedlichsten Zahlen. Und das ist schon eines der Grundprobleme. Während das Unterrichtsministerium von 101 Millionen Euro pro Jahr spricht (für Bundes-, Landes- und Bezirksschulräte, Schulinspektoren und -psychologen), ist in einer Studie des Management Club gar von 400 Millionen Euro die Rede, die jährlich in der Verwaltung versickert. Es ist schwierig, die Zahlen zu verifizieren. So ist etwa unklar, wie viele Personen in der Schulverwaltung arbeiten – aber eigentlich als Lehrer angestellt sind.

Wer mischt bei der Verwaltung der Schulen aller mit?

Es gibt vier Verwaltungsebenen: Bund, Länder, Bezirke und Gemeinden mit komplexen, teils einander überschneidenden und unklaren Zuständigkeiten. Die Doppelgleisigkeiten, über die geklagt werden, sind de facto Drei- und Vierfachgleisigkeiten.

4. Das Märchen, dass die Kosten für die Landes Lehrerinnen reine Bundes Sache wäre.

Durch die überplanmäßigen Besetzungen von Landeslehrern entgingen dem Bund im Schuljahr 2010/11 rund 30 Millionen Euro. Grund dafür: Der Rückforderungsbetrag je Planstelle beträgt rund 38.000 Euro, die tatsächlichen Durchschnittskosten liegen aber bei 54.000 Euro, da teilweise ältere – sprich: teurere – Lehrer angestellt werden. Demnach kostet jeder Pädagoge, den die Länder über Plan einsetzen, den Bund 16.000 Euro.

Dieses „Geschäft“ lassen sich die Bundesländer nicht entgehen und stellen viele Landeslehrerinnen zusätzlich zum vom Bund genehmigten Planstellenkontingent an. Ausnahme ist hier Salzburg. Salzburg stellt im Bundesländervergleich die wenigsten LehrerInnen aus Landesmitteln an. Dementsprechend ist in Salzburg die Not am größten.

5. Das Märchen , dass die Lehrerinnen viel verdienen.

Die Gehaltsabschlüsse des öffentlichen Dienstes waren unterdurchschnittlich. Von 2000 bis 2012 um 27,2%, während der VPI(Verbraucherpreisindex) in diesem Zeitraum um 28,2 % gestiegen ist – also ein Reallohnverlust.

6. Das Märchen, dass in den Pflichtschulen nicht schon besonders gespart wird.

Während alle anderen Bereiche, angefangen vom Kindergarten bis zur Verwaltung, (zum Teil) Kostensteigerungen weit über der Inflationsrate verzeichnen, wurde im Pflichtschulbereich ordentlich die Sparschraube angezogen: Steigerung seit 2000 knapp 28%, Inflationsrate in diesem Zeitraum 31%.

Die viel geschmähte NMS hat nur unerheblich das Bildungsbudget Pflichtschulen erhöht; wie denn auch, gilt ja nach wie vor für den Pflichtschulbereich ein quasi Aufnahmestopp, dh. die Mehrarbeit wird einfach auf die Lehrer aufgeteilt.

Mehrwert für unsere Schulen

Diese Aussendung als pdf zum Download >>>

null_bock KopieWieder klafft im Bund ein Budgetloch und es fehlen im kommenden Schuljahr im Land Salzburg 67 LehrerInnendienstposten.

Wieder weigert sich unsere Landesregierung, den Mangel mit ihren Mitteln auszugleichen, stattdessen werden Unterrichtsstunden gestrichen.

Wir fordern:
plus2

Mehr Wertschätzung für unsere Schulen!
Mehr Wertschätzung für unsere Arbeit!

Eine gute Schule muss dem Dienstgeber mehr wert sein, als er derzeit dafür investiert.

Reden Sie darüber, informieren Sie die Schulpartner.
Ändern wir gemeinsam diese Politik!

NMS – selbstbewusst!

grulug-logoIm Folgenden: Unsere Vorschläge zur Stärkung der NMS. Ihre Meinung? Schreiben Sie uns!

Evaluierung:

Evaluierung soll als “fairer Vergleich” stattfinden, der wirklich repräsentativ ist. Nachdem der Zug schon in Richtung NMS abgefahren ist, sind wir für eine umfassende Evaluierung erst nach Umstellung aller Schulen, anstatt schon wieder zwischendrin an irgendwelchen Schaltern zu drehen.

Vorerst sollen die Schulen in Ruhe arbeiten können, um dann – in Ruhe – die richtigen Schlüsse ziehen und eine wirkliche systemische Reform angehen zu können.

Teamteaching

  • Ja zu einer schulautonomen Verteilung der Stunden!
  • Ausbildung + intensive Unterstützung für LehrerInnen zum Unterrichten
    – in heterogenen Gruppen
    – mit Differenzierung (da tun sich fast alle schwer durch den Unterricht bis dato)
    – im Team (z.B.: Wie nutze ich die vielen Möglichkeiten der Lernumgebung zu zweit effizient aus?)
  • Hotline zum Nachfragen (unbürokratisch)
  • Materialbörse zum Ausleihen (wie ein Filmverleih) insbesondere für Hauptfächer/Differenzierung

Der gemeinsame Schultyp:

Wir sind für eine wirkliche gemeinsame Schule. Die Werbung von Gymnasien kann man vorschlagen, aber wir sehen kaum Erfolgsaussichten. Mehr Selbstbewusstsein der NMS und eine Bewerbung der ELTERN mit der Darstellung der Vorzüge der NMS sind zielführender!

Schulautonomer Einsatz der Ressourcen:

Ja zum schulautonomen Einsatz der Ressourcen.

Wir sind der Meinung, dass die Schulen ihren Kontingentbedarf auf Grundlage der Situation an der Schule und auf Grundlage der gesetzlichen Bestimmungen selbst berechnen sollen und mit dieser begründeten Berechnung dann quasi in Verhandlung mit der Abt. 2 gehen. Oder, dass wir für eine durch Indikatoren basierte Finanzierung der Pflichtschulen und AHS-Unterstufen sorgen. So könnte es zum Beispiel für Kinder aus bildungsfernen, schwachen Schichten oder Schulen mit einem höheren Migrantenanteil, oder bei der Integration von SonderschülerInnen eine höheren Basis-oder Pro-Kopf-Finanzierung geben.

Orientierung an den Schwachen?

Mit den bestehenden gesetzlichen Grundlagen können temporär Gruppen gebildet werden, die auch die Förderung der Begabteren zum Ziel haben kann.

Die Orientierung an den Schwachen entsteht unserer Meinung nach auch dadurch, dass man am Ende des Tages ja gezwungen ist, auch die Schwächsten der Schwachen zu beurteilen.

Dringend erforderlich: Zeitnaher Ersatz bei Dauerkrankenständen!

Dringend erforderlich: Ein paar wenige Stunden für jede Schule, die sie verbrauchen kann, oder auch nicht. Ein kleiner Stunden-Pool, auf den jede Schule begründet zugreifen kann, wenn es die Situation an der Schule erfordert. Damit könnte direkt an der Schule auf veränderte Klassensituationen reagiert werden.

Dringend erforderlich: Wertschätzung!