Strafen für „vorlesefaule“ Eltern?

Wem fällt denn so etwas ein?!

Eltern soll die Kinderbeihilfe gekürzt werden, wenn sie zu wenig „guten Willen“ zeigen, sich an der „Bildungsbiografie“ ihrer Sprösslinge zu beteiligen – das fordert Paul Kimberger, Vorsitzender unserer Gewerkschaft (lt. Kurier vom 14. 2.).

Natürlich ist es wichtig, dass Eltern mit ihren Kindern sprechen, ihnen Bücher vorlesen oder Geschichten erzählen –  no-na! Aber Eltern finanziell zu bestrafen, wenn sie das nicht im gewünschten Ausmaß tun (wer würde das Ausmaß definieren?), ist eindeutig kontraproduktiv!

Wie sollte eine (womöglich alleinerziehende) Mutter, die ohnehin nur mit regelmäßigen Überstunden als Supermarktkassierin das notwendige Familieneinkommen erarbeitet, durch eine Kürzung der Kinderbeihilfe plötzlich mehr Zeit und Energie haben, um ihren Kindern abends vorzulesen? Vielmehr wird sie das finanzielle Loch mit noch mehr Überstunden ausgleichen müssen und sich noch weniger um die „Bildungsbiografie“ ihrer Kinder kümmern können.

Dass in Österreich nur ca. 7% aller Kinder einen höheren Bildungsabschluss als ihre Eltern erreichen, ist nichts Neues. Über die Ursachen gibt es genug wissenschaftliche Studien – die Schlussfolgerungen daraus müssten nur umgesetzt werden!

Das Problem ist nicht mangelnder „guter Willen“ der Eltern, sondern der fehlende „politische Wille“ der PolitikerInnen, das österreichische Schulsystem so zu verändern, dass die Bildungschancen der Kinder nicht mehr in erster Linie vom Bildungsabschluss ihrer Eltern abhängen!

Monika Wölflingseder


GLOSSE

Im Sinne der Meinungsfreiheit veröffentlichen wir hier einen Kommentar zu Monika Wölflingseders Stellungnahme (siehe oben):

Sehr geehrte Frau Wölflingseder,

im Gegensatz zu Ihnen möchte ich Herrn Kimbergers Vorschlag voll und ganz unterstützen. Lassen Sie sich nicht durch ewig gestrige Demokratie-Romantiker einbremsen, die meinen, der Staat dürfe den Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder nicht dreinreden!

Die Eltern in die Pflicht zu nehmen, was die Bildungsbiografie ihrer Kinder betrifft, könnte wie folgt funktionieren:

In den Kinderzimmern werden Webcams installiert, damit die Bildungspolizei in Echtzeit verfolgen kann, wie viel die Eltern mit ihren Kindern sprechen und ihnen vorlesen. Dabei kann auch  kontrolliert werden, ob die Standardsprache verwendet wird. Wenn die Mutter mit dem Kind im Dialekt oder in einer nichtdeutschen Mutter-Sprache redet, bringt das Strafpunkte und weitere Abzüge von der Kinderbeihilfe.  Bei Familien, die einer „Risikogruppe“ angehören, ist das verpflichtende Tragen von Bodycams anzudenken, wodurch noch besser nachvollzogen werden kann, wer wie oft und wie mit den Kindern spricht.

Auch die Inhalte der vorgelesenen Bücher müssen kontrolliert werden – Werteerziehung beginnt in der Gehschule! Damit dem Nachwuchs die „richtigen“ Werte vermittelt und die Kinder auf den „rechten Weg“ geleitet werden, muss es Listen empfehlenswerter und zu vermeidender Kinderbücher geben.

Natürlich steht es den Eltern frei, weiterhin Geschichten von Astrid Lindgren oder Christine Nöstlinger vorzulesen. Sie müssen dann aber mit weiteren  Kürzungen von Transferleistungen des Staates rechnen, denn die frechen, ja subversiven „Helden“ und „Heldinnen“ dieser Autorinnen können wahrhaft keine Vorbilder für die Jugend sein!

Viel Erfolg mit der Einführung der neuen Bildungspflichten für Eltern wünscht Ihnen

Kim O Brien

Mitglied des euro-asiatischen
Think-Tanks „Bill Dung“

(Adresse der Redaktion bekannt)

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