Nicht nur die Lipizzaner…

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Sie ist alt, widersprüchlich, reformresistent, undemokratisch und wir brauchen sie:

Unsere Gewerkschaft, der saure Apfel, in den wir beißen müssen.

Es sind nicht nur die Lipizzaner oder die schöne Landschaft, worum uns die ganze Welt beneidet. Es ist auch die Sozialpartnerschaft, welche in unserem Land immer noch funktioniert, auf die der Rest der Welt mit Bewunderung blickt.

Für uns LehrerInnen heißt das, dass dem Arbeitsgeber, dem Staat (meistens dem Finanzministerium bzw. Unterrichtsministerium) eine starke Gewerkschaft, d. h. eine Gewerkschaft mit möglichst vielen Mitgliedern, bei allen relevanten Verhandlungen zu Berufsbelangen gegenübersitzt.

Diese Verhandlungen sind ein ganz pragmatisch geführtes Abtasten des Dienstgebers dahingehend, was die eine oder andere „Einsparung“ politisch kostet. Je mächtiger, sprich mitgliederstärker die GÖD ist, umso gewichtiger ist das Ja oder Nein des Arbeitnehmervertreters. Die momentan 240 000 GÖD-Mitglieder mit ihren Familienangehörigen sind eine entscheidende politische Macht im Land. Wären es noch mehr Mitglieder, wäre die Macht noch größer.

Daher kann es nur heißen: in die Gewerkschaft eintreten – und sie verändern, damit sie moderner und in sich demokratischer wird.

Doch bevor man etwas verändert, muss man es kennen.

Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) ist ein Verein, der zum Ende der 2. Weltkrieges von den früheren sozialistischen, christlichen und kommunistischen Gewerkschaftsfunktionären gegründet wurde. Er ist in Fraktionen gegliedert, die meisten von ihnen stehen einer bestimmten politischen Partei nahe.

Das sind die derzeit im ÖGB vertretenen Fraktionen:

Die Fraktionen sollen im überparteilichen ÖGB (Österreichischer Gewerkschaftsbund) den notwendigen weltanschaulichen Spielraum gewährleisten.

Zu den Aufgaben der Fraktionen gehört es, die Beschlüsse und Zielsetzungen des ÖGB zu unterstützen und die Einheit des ÖGB zu wahren.

Sie betreiben Öffentlichkeitsarbeit, Mitgliederwerbung, gewerkschaftspolitische Bildungsarbeit, versuchen Gewerkschaftsinteressen in ihnen nahe stehenden Parteien, Verbänden und Gruppen durchzusetzen oder zu fördern.

Die engen Verflechtungen zwischen den Fraktionen und ihren „Mutterparteien“, sowie die häufigen Mehrfachfunktionen (in der Gewerkschaft und in der Partei) ist in unseren Augen eines der Grundprobleme des ÖGB. Gewerkschaftsfunktionäre und -funktionärinnen befinden sich in dem Dilemma, dass die Interessen der ArbeitnehmerInnen oft den Interessen der Partei diametral entgegenstehen. Wem gegenüber zeigt man sich in so einem Falle loyal? Ist man in so einem Fall mehr GewerkschafterIn oder mehr Parteimitglied? Inwieweit sind die GewerkschaftsfunktionärInnen abhängig von der Partei? Wie sehr denken sie bei solchen Interessenskonflikten vielleicht mehr an ihre eigene Zukunft in der Partei als an die gewerkschaftlichen Interessen? (Manche streben ja von der Gewerkschaft aus eine Karriere innerhalb der Partei an.)

Die verschiedenen Berufsgruppen sind durch 7 Teilgewerkschaften vertreten.

Wir LehrerInnen sind in der „Gewerkschaft Öffentlicher Dienst“ (GÖD) vertreten.

Neben der zentralen Organisation auf Bundesebene (Bundeskongress, Bundesvorstand, Vorstand) gibt es die Landesorganisationen der Bundesländer.

Innerhalb der Landesorganisationen erfolgt der Kontakt mit den Mitgliedern der Gewerkschaft über die „Betriebsausschüsse“. Diese werden in den „Betrieben“ (ab einer gewissen Größe eines Betriebes) installiert.

Im Schulbereich gibt es hier einen Unterschied zwischen den Bundes- und den Landesschulen. Während bei den Bundesschulen (AHS, BHS) jede Schule als eigener Betrieb gilt, werden die Landesschulen (Pflichtschulen) nach Bezirk zusammengefasst. Für die Pflichtschulen gibt es einen „Gewerkschaftlichen Betriebsausschuss“ (GBA) für jeden Bezirk. Um den Kontakt zwischen den Schulen und der Gewerkschaft zu gewährleisten gibt es die sogenannten „gewerkschaftlichen Vertrauenspersonen“ an den Schulen (auch „Schulvertrauensperson der Gewerkschaft“ genannt). Sie haben die Aufgabe, Informationen der Gewerkschaft (über die Landesleitung) an die Mitglieder in den Schulen weiterzugeben, beziehungsweise Anliegen der KollegInnen an den GBA oder die Landesleitung heranzutragen. Schulvertrauenspersonen der Gewerkschaft haben keinen rechtlichen Status (im Gegensatz zu PersonalvertreterInnen), sondern sind lediglich interne Kontaktpersonen des Vereins „Gewerkschaft“. Sie werden an den Schulen von den Mitgliedern der Gewerkschaft jedes Jahr – mindestens aber alle vier Jahre – gewählt.

Die Bedeutung des ÖGB

Es gibt neben dem ÖGB noch andere Gewerkschaften, wie z.B. die „Freie Gewerkschaft Österreichs“ (1998 von der FPÖ gegründet) oder die „Unabhängige Bildungsgewerkschaft“, was aber an der Monopolstellung des ÖGB nichts ändert. Denn die Teilgewerkschaften des ÖGB sind zur Zeit die einzigen Verhandlungspartner, welche bei Kollektivvertragsverhandlungen mit der Regierung zugelassen sind.

Deshalb finden wir, dass es wichtig ist, Teil des ÖGB und Mitglied des ÖGB zu sein, auch wenn man mit vielem nicht einverstanden ist. Lieber von „innen heraus“ die Gewerkschaft erneuern, als neue gewerkschaftliche Vereine zu gründen, die nicht direkt mit dem Dienstgeber verhandeln können!

Join the Union – change the Union!

Wenn Sie noch nicht Mitglied sind und es gerne werden möchten, finden Sie hier > das dafür notwendige Formular.

Übrigens: Wenn Sie der Gewerkschaft (GÖD)beitreten, treten Sie damit nicht automatisch einer Gewerkschaftsfraktion, einer Partei oder einem LehrerInnenverein bei (auch wenn das häufig irrtümlicherweise so angenommen wird)! Nur die Gewerkschaftsmandatare müssen einer Fraktion angehören – nicht die Mitglieder der Gewerkschaft!

Wolfgang Haag, Monika Wölflingseder

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